St.Pölten Rathausplatz

Lage und Charakteristik

Der Rathausplatz befindet sich im Westen der St. Pöltner Altstadt, er ist mit 6600 m² der größte Platz der Stadt und wurde um 1200 in seiner heutigen Form angelegt. Erste Erwähnung findet der Platz 1293 als latum forum, spätestens ab 1349 wurde er Breiter Markt genannt. 1876 wurde er in Rathaus-Platz umbenannt, zwischen 1938 und 1946 hieß er Adolf-Hitler-Platz. In der Nachkriegszeit wurde er nach dem sowjetischen Marschall Iwan Stepanowitsch Konew, dem Oberbefehlshaber der in Österreichs sowjetischer Besatzungszone stationierten Streitkräfte, Marschallplatz benannt. 1955 erhielt er wieder seinen alten Namen.[1] Zwischen 1988 und 1989 wurde unter ihm eine Tiefgarage errichtet und dabei der Platz neu gestaltet, er ist heute Teil der Fußgängerzone.


Antike

Bei den Bauarbeiten der Tiefgarage wurden umfangreiche archäologische Grabungen vorgenommen. Dabei wurde eine dichte, mehrphasige Bebauung des heutigen Platzes von zweiten bis zum fünften nachchristlichen Jahrhundert festgestellt.

Die ältesten gefundenen Gebäudereste waren einfache Holzbauten. Diese wurden im Jahr 170 von den Markomannen niedergebrannt. Danach entstanden an den gleichen Stellen solide Steinbauten, die allerdings um 230 wieder zerstört wurden. Von dieser Zerstörung erholte sich Aelium Cetium, so der römische Name der Siedlung, lange nicht, das Gebiet verödete. Erst um 320 errichteten die Bewohner neue Wohngebäude, die mehrere beheizbare Räume hatten. Ende des vierten Jahrhunderts kam es erneut zu einer Verwüstung. Auf den Ruinen wurden bescheiden Holzhütten aufgestellt, die Einwohner verließen das Gebiet allerdings schon im beginnenden fünften Jahrhundert.


Mittelalter und Frühe Neuzeit

In den folgenden Jahrhunderten war das heutige Stadtgebiet wahrscheinlich unbewohnt, erst im späten 7. Jahrhundert lassen sich wieder Besiedlungen nachweisen. Gegen 791 wurde von der Abtei Tegernsee aus das Stift St. Pölten gegründet. Der heutige Rathausplatz war bis ins frühe 12. Jahrhundert dem Stift zugehörig und wurde landwirtschaftlich genutzt. Erst mit den ersten Bürgerhäusern wurde der Platz, der ursprünglich etwa zwei römischen Wohnblöcken entsprach, als Marktplatz angelegt. Jeweils an den Mittelpunkten der Seiten mündeten Gassen in den Platz, von denen heute nur mehr die Prandtauergasse und die Marktgasse erhalten geblieben sind. Relativ bald darauf wurde die Westhälfte zur Verbauung freigegeben, 1757 wurde die Platzfläche durch den Bau des Klosters an der Nordseite zusätzlich verringert. Im Mittelalter lag das Platzniveau etwa einen Meter niedriger als heute, zudem fiel der Platz stark nach Norden hin ab.

Bis ins 19. Jahrhundert befanden sich auf dem Breiten Markt verschiedene Gebäude. Das erste schriftlich Erwähnte war eine hölzerne Markthalle. Die sogenannte Schranne wurde 1349 im Auftrag von Gottfried von Weißeneck, damals Bischof von Passau, errichtet. Der Probst des St. Pöltner Klosters, der das Marktrecht für sich beanspruchte, ließ sie jedoch 1356 wieder abreißen. An der Stelle des Holzbaus wurde später eine gemauerte Markthalle errichtet, von der mit dem 29. Jänner 1568 nur das Abtragedatum bekannt ist. Die etwa 31 mal 13,5 Meter große Halle hatte ein Meter dicke Außenmauern, die wahrscheinliche ein Obergeschoß trugen. Dort fanden verschiedene Versammlungen statt. Nachdem 1503 das heutige Rathaus angekauft worden war und der Markt nicht mehr in der Halle stattfand, verfiel das Gebäude, bis es 1568 abgerissen wurde. Die verbleibenden Grundmauern verschwanden in der Aufschüttung auf das heutige Platzniveau. Im Zug dieser Arbeiten wurde 1569 an der Nordwestecke der abgerissenen Markthalle ein Pranger errichtet. Südlich der Markthalle befand sich zu dieser Zeit schon ein Brunnen, der bis mindestens 1708 in Betrieb war. In diesem Jahr wurde Jakob Prandtauer beauftragt, einen neuen Brunnen zu errichten, der sich südwestlich der heutigen Dreifaltigkeitssäule befand. Diese ab 1768 errichtete Säule übernahm mit ihren Becken die Brunnenfunktion am Breiten Markt.


Moderne

Ab dem 19. Jahrhundert wurde der Platz wieder zu Marktzwecken genutzt, in dieser Zeit jedoch hauptsächlich die Nordhälfte des Platzes.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war der Rathausplatz im Wesentlichen unreguliert, einzig den Platzrand säumte ein mehrere Meter breites Kopfsteinpflaster. 1904 wurde der Platz umgestaltet, das Kopfsteinpflaster wich einer Asphaltdecke. Im Zweiten Weltkrieg befand sich auf der Nordhälfte ein großer Löschwasserteich, der nach Kriegsende in eine Gartenanlage umfunktioniert wurde. In den folgenden Jahren wurde der Rathausplatz hauptsächlich als Parkplatz verwendet, der erst mit den Grabungen 1988 verschwand. Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen 1989 sollte eine mehrgeschoßige Tiefgarage entstehen, die jedoch nicht verwirklicht wurde. Erst 1995/1996 wurde eine eingeschoßige Tiefgarage errichtet, im Zug der Arbeiten wurde auch der Platz neu gestaltet und ist seither autofrei.